Danke Corona: Diese 10 Stressfaktoren entfallen
Juhu, das heimliche Ostereierkaufen ist geschafft und die Beute sicher verstaut. Die gestrige Expedition zum Supermarkt hat sich fast wie ein Stück Normalität angefühlt. Ok, abgesehen von dem langen Anstehen, der geringen Auswahl und der leichten Atemnot unter der Maske. Ich will es auch garnicht schön reden – dieses Ostern werden wir Vieles und vor allem viele liebe Menschen vermissen. Dazu die unterschwellige Angst und Planungsunsicherheit sind Stress pur. Doch es gibt auch klassische Stressfaktoren zu Ostern, die in diesem Jahr wegfallen.
- Kein Streit ums Tanzverbot: Zumindest meine Timeline war frei von Empörungen über oder gegen das Tanzverbot. Diese Karfreitagsdebatte darf in diesem Jahr mit getrost ausfallen, damit mehr Raum für anderen Ärger bleibt.
- Keine Qual der Wahl beim Ostermenü: Die Frage „Was soll ich nur für all die Leute kochen“ beantwortet sich in diesem Jahr von selbst: Es kommen für meine Lieben die traurigen Reste auf den Teller, die ich in den halbleeren Regalen noch gefunden habe. Zum Ausgleich schwärmen wir den ausgeladenen Besuchern von den kunstvollen Menüs vor, die wir gerne gegessen hätten.
- Kein sozialer Druck wegen der Fastenzeit: Habt ihr im Februar breit herumerzählt, welchen Annehmlichkeiten Ihr in der Fastenzeit entsagen wolltet und dann doch, wie die meisten Warmblütler auch, leckeres Corona-Frustessen genossen? Erleichterung, davon muss niemand erfahren. Und Kopf hoch: Im kommenden 3021 klappt`s bestimmt mit Eurer Askese!
- Staustress entfällt: Machen wir einen Kurztrip zu Ostern oder besuchen wir Tante Berta? Aus diesem Dilemma befreit uns die Pandemie. Und verbessert gleichzeitig unseren ökologischen Fußabdruck. Bei so viel gutem Gewissen könnten wir doch glatt eine Flugreise für den Sommer buchen … ups, Danke St. Corona, auch vor dieser Versuchung bewahrst Du uns
- Keine Geruchsbelästigung durch Osterfeuer: Die einen lieben sie, die anderen hassen sie. Doch beide Seiten wissen: Traditionelle Osterfeuer hinterlassen einen hartnäckigen Rauchgeruch in ihrer direkten Umgebung.
- Vitamin-D-Mangel ade: Irgendwann zieht das strahlende Trostwetter auch den überzeugtesten Stubenhocker nach draußen. Und gegen die soziale Isolation sind Spazierdates ein gesundes Gegenmittel.
- Planungsstress fällt aus: Sollte sich das Wetter über Ostern unerwartet eintrüben, fallen deswegen keine liebevoll geplanten Gruppenwanderungen etc. ins Wasser. Wir dürften uns ohne schlechtes Gewissen einem Serienmarathon hingeben. Inzwischen langweilig geworden? Unsere Freunde und Verwandte werden es bald zu schätzen wissen, wie sehr wir ihre Gesellschaft schätzen.
- Bye bye Stylingsorgen: Was ziehe ich heute an und wie sehen meine Haare denn aus? Kleiner Trost: Das geht uns allen so. Wir werden nach der Krise mit deutlich längeren Haaren, echten used-look-Klamotten und unseren eigenen Fingernägeln aus unseren ungewohnt aufgeräumten und sauberen Wohnungen strömen.
- Keine überteuerten Restaurantrechnungen: Geld ausgeben war noch nie so schwierig, wie heute. Geld verdienen ebenso. Den nicht vorhandenen Überschuss kann ich wenigstens nicht damit verplempern, mir in netter Gesellschaft mit einem richtig gutem Essen im Lokal was Gutes zu tun.
- Keine Gewissensbisse wegen des Gottesdienstbesuchs: Endlich keine Schuldgefühle mehr, weil wir zu Ostern nicht zum Gottesdienst gehen oder weil wir dies NUR zu Ostern oder Pessach tun. Jeder kann seinen Gottesdienst seiner jeweiligen Religionsrichtung online verfolgen – oder einfach so tun, als ob.
Spaß beiseite Ihr Lieben, achtet aufeinander! Nicht jeder kann mit Spazierdates oder online-Meetings die Einsamkeit bekämpfen. Das Virus verschlimmert erheblich die soziale Isolation älterer oder kranker Menschen. Gerade zu den Feiertagen. Ruft Eure älteren Verwandten mal an – ich weiß, bin ja selbst der größte Telefonmuffel.
Ups, es klingelt – ja, genau, ich bin …. älter
Panik erwünscht?
Außerhalb meiner Wohnungstür beginnt sie, die Gefahrenzone. Seit dieses Killervirus grassiert, verlasse ich äußerst selten das Haus. Obwohl die Straßen nahezu leer gefegt sind. Richtig so, dass der Staat durchgegriffen hat. In meiner miefigen Bude, von frisch gehamsterten Konserven ernährt, fühle ich mich sicher. Noch sicherer würde ich mich mit einer Ausgangssperre fühlen. Mit Lebensmittelversorgung per Drohne und einer fleißig patrouillierenden Bundeswehr vor meiner Haustür. Aber dafür hatten die da oben wohl nicht die Eier in der Hose.
Panik erwünscht?
Außerhalb meiner Wohnungstür beginnt sie, die Gefahrenzone. Seit dieses Killervirus grassiert, verlasse ich äußerst selten das Haus. Obwohl die Straßen nahezu leer gefegt sind. Richtig so, dass der Staat durchgegriffen hat. In meiner miefigen Bude, von frisch gehamsterten Konserven ernährt, fühle ich mich sicher. Noch sicherer würde ich mich mit einer Ausgangssperre fühlen. Mit Lebensmittelversorgung per Drohne und einer fleißig patrouillierenden Bundeswehr vor meiner Haustür. Aber dafür hatten die da oben wohl nicht die Eier in der Hose.
Panik erwünscht?
Außerhalb meiner Wohnungstür beginnt sie, die Gefahrenzone. Seit dieses Killervirus grassiert, verlasse ich äußerst selten das Haus. Obwohl die Straßen nahezu leer gefegt sind. Richtig so, dass der Staat durchgegriffen hat. In meiner miefigen Bude, von frisch gehamsterten Konserven ernährt, fühle ich mich sicher. Noch sicherer würde ich mich mit einer Ausgangssperre fühlen. Mit Lebensmittelversorgung per Drohne und einer fleißig patrouillierenden Bundeswehr vor meiner Haustür. Aber dafür hatten die da oben wohl nicht die Eier in der Hose.
Deshalb muss ich leider doch zum Einkaufen. Mein Klopapier- und Nudelberg wächst nicht exponentiell genug. Auf zum präapokalyptischen Nahkampf. Vor einigen Wochen hatten wir in dem Supermarkt ja noch unbeschwert den Corona-Abstands-Tanz getanzt. Seit ein paar Tagen ist für mich Schluss mit lustig. Inzwischen habe ich genug Schreckensbilder aus Italien gesehen und weiß jetzt genau Bescheid: Jeder Mitkunde, jede Supermarktangestellte sind potenziell tödliche Feinde. Und ich kann es kaum erwarten, mich in Kürze mit Spahns neuer Orwell-App noch sicherer vor infizierten Feinden zu fühlen. Das mit dem Datenschutz brauchen wir doch nicht. Ich will schon wissen, wen ich denunzieren soll.
Also neeee, einen Mundschutz trage ich nicht, so weit kommt`s noch. Ich bin doch nicht paranoid! Wenn ich Passanten anschnauze, wird ihnen meine feuchte Aussprache schon eine Warnung sein. In dieser nervenzerreibenden Krise kann ich mich nicht auch noch um den Schutz meiner Mitmenschen kümmern. Dafür sind andere zuständig, so wie dieser Söder aus Bayern. Der prescht mit Maßnahmen vor, ohne Zeit mit unnötigen Abstimmungen zu verschwenden. Der hat das Potenzial für einen… F….*ck!
Leute, erkennt ihr Euch etwa wieder, abzüglich von meinen literarischen Übertreibungen? Wohin treibt die nackte Angst unseren demokratischer Staat eigentlich noch? Ich bin erstaunt, wie wenig Protest auf die massiven Freiheitsbeschränkungen folgten. Was ist aus unserer Empörungskultur geworden, die jeden Gesetzentwurf auseinander nimmt und jedes Politikerstatement in der Luft zerreißt? In sozialen Netzwerken fordern die meisten Nutzer sogar eine Verschärfung der Einschränkungen. Panik scheint die sozial erwünschte Reaktion zu sein.
Shut-Down, Handyüberwachung, Kontaktverbot, Reisebeschränkungen – diese massiven Freiheitsbeschränkungen gehören seit Mitte März zu unserem Alltag. Dass die Maßnahmen holzschnittartig sind, da sie aus einer Not heraus entwickelt wurden, leuchtet mir zwar ein. Was mir jedoch fehlt, ist ein klares Signal für deren Begrenzung und ein regelmäßiger Faktenabgleich. Allein die Handyüberwachung ist ein dramatischer Einschnitt. Auch wenn zunächst nur Bewegungsströme erfasst werden sollen. Die technischen Möglichkeiten zur Individualortung sind vorhanden. Wo ist die Garantie, dass diese Überwachung endet, sobald beispielsweise die Infektionszahlen um X % sinken? Jens Spahns Corona-App setzt noch einen drauf. 1984 auf dem Smartphone. Außerdem könnte diese App die Panik in der Bevölkerung mehr steigern, als sie Sicherheit gibt.
Massive Einschnitte in die Demokratie sollten auf Fakten beruhen. Und ja, Italien ging und geht durch die Hölle. Mir fehlen immer noch die Worte. Aber ist die Situation in Norditalien, wo eine starke Luftverschmutzung herrscht und das Risiko für Atemwegserkrankungen hoch ist, wirklich 1 : 1 mit Deutschland zu vergleichen? Die Fallzahlen, die täglich um die Welt gehen, bestehen aus aktiv gemeldet Fällen symptomatischer Personen. Doch wie sieht die Durchseuchung in der Bevölkerung inzwischen aus? Jedes Land hat andere Testmodalitäten, jedes Land zählt seine Corona-Toten auf unterschiedliche Weise. Sollten Einschnitte in unsere Demokratie, die aus einem statistischen Flickenteppich abgeleitet wurden, nicht von Zeit zur Zeit überprüft werden? Das fragt sich nicht nur ein linksgrünversiffte Althippie wie ich, sondern auch kompetente Experten wie etwa Professor Sucharit Bhakdi. Dieser Virologe fordert unter anderem einen Stichprobentest, um die Durchseuchung der Bevölkerung zu ermitteln. Seine Stimme in der Videobotschaft an Bundeskanzlerin Merkel zittert, als er die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen in Frage stellt. Als wäre wissenschaftlich fundierte Kritik inzwischen rechtswidrig geworden.
Sein Bonner Kollege, Professor Hendrik Streek, versucht sich gerade in einem solchen Faktencheck und leitet eine Studie in der Gemeinde Gangelt, die zum Kreis Heinsberg, dem deutschen Corona-Epizentrum, gehört. Seine Erkenntnisse zur Virusausbreitung könnten als Grundlage dafür dienen, wann und wie die Maßnahmen wieder gelockert werden könnten
Und irgendwann sollten dies geschehen, weil wir die Epidemie sonst endlos vor uns her schieben, findet Epidemiologe Martin Eichner aus Tübingen.
In den meisten deutschen Krankenhäusern, die Tausende von Nicht-Corona-Patienten mit Schmerzen weggeschickt haben, deren OPs, deren Nachsorgetermine ersatzlos gestrichen wurden, herrscht immer noch Ruhe vor dem Sturm. Das tatsächliche Ausmaß der Infizierten-Welle sollte ausschlaggebend dafür sein, wie lange andere Patienten unbehandelt bleiben müssen. Denn viele vergessen: Es gibt auch noch andere lebensbedrohliche Erkrankungen. Und es besteht die Gefahr, dass sich Patienten mit akuten Verletzungen oder mit Herzinfarktsymptomen nicht mehr in die Notaufnahmen trauen und zuhause sterben.
Abgesehen von diesen akuten Gesundheitsgefahren sind auch die psychosozialen Folgen des Kontaktverbotes, insbesondere für Ältere und Kranke auf Dauer verheerend. Genau diese Risikogruppen, die Annegret-Kramp-Karrenbauer, auf welche Weise auch immer, isolieren will, was deren Vereinsamung weiter verstärken würde.
Ich will das Virus nicht verharmlosen. Über dessen Gefahrenpotenzial wurde bereits genug geschrieben. Doch ich finde das Virus „Angst“, das im Windschatten von Corona unsere Demokratie befällt, ebenfalls gefährlich. Ich hoffe für unsere Gesellschaft, dass wir zu Ostern einen rationalen Exit-Plan bekommen. Und dass wir Kritik auch in Zukunft angstfrei äußern dürfen. Und uns in der Krise nicht nur als wandelnde Infektionsquellen betrachten, sondern als Menschen. Ein Lächeln und freundliche Worte lassen sich auch über den geforderten Sicherheitsabstand austauschen.
Bleibt nett zueinander,
Das C-Wort: Verdrängung zwecklos
„Lass uns über was anderes reden“, winken viele in Corona-Zeiten ab. Ich kann`s echt nicht mehr hören, schreib bloß nicht über das C-Wort, wurde ich gebeten. Haben die genervten Stimmen Recht? Sich ständig mit belastenden Tatsachen zu befassen, erzeugt Stress. Und abgesehen von Pflegekräften, Ärzten, Apothekern und Politkern, die derzeit am Limit arbeiten, zwingt die Pandemie die meisten von uns dazu, ein paar Gänge runter zu schalten.Und immer schön positiv bleiben dabei.
Das strahlende Wetter macht es uns vor, sinniere ich aus dem Fenster blickend. Mit ein paar netten Leuten eine Radtour machen, wäre die ideale Ablenkung…. jaja, verstanden. Auch das kühlende Bierchen im Anschluss in der Kneipe geht natürlich gar nicht. Was wohl so im Kino läuft? Dieser Gedanke fühlt sich ja wie verbotene Pornographie an. Umdenken ist angesagt. Aber bitte nicht auf leeren Magen! Erstmal frühstücken. Meinen Lieblingsjoghurt, den der Discounter leider aus seinem reduzierten Corona-Sortiment genommen hat, rationiere ich sorgfältig. Jeden Morgen gibt es einen traurigen Klecks. Beim langsamen Löffeln stelle mir vor, wie professionelle Hamsterkäufer in ihren Kellerlaboren aus den erbeuteten Joghurtbechern Klopapier spinnen. Dazu gibt es bestimmt relevante YouTube-Videos von Diplom-Verschwörungstheoretikern. Kopfkino kann echt widerlich sein.
Mein Handy summt, ich schaue auf das Display, das kurzfristig schwarz wird. Das passiert in den vergangenen Wochen öfters. Kommen die Ausfälle nur davon, dass mein Smartphone mit Obst-Logo inzwischen das biblische Alter von fünf Jahren überschritten hat? Oder sind sie ein Zeichen dafür, dass die Bundesregierung versucht, mich zu orten, ob ich das Kontaktverbot einhalte? Wer überwacht eigentlich die Überwachenden? Dass wirklich nur Bewegungsströme und keine individuellen Daten erfasst werden? Können wir uns darauf verlassen, dass die Überwachungen und Beschränkungen zum angemessenen Zeitpunkt auch wieder abgestellt werden? Diese Fragen lassen mein demokratisches Herz nachts bis zum Halse schlagen.
Das Smartphone des Nachbarn hingegen scheint tadellos zu funktionieren. Die lautstarken Telefonkonferenzen, die er vom Balkon-Home-Office leitet, sollen bei seinen Mitarbeitern wohl die Illusion von Normalität aufrecht erhalten. Die besprochenen Projektziele dürften angesichts der systematischen Planungsunsicherheit überwiegend hypothetischer Natur sein. Vielleicht sind die Telefonsitzungen auch eine preiswerte Alternative zur Gruppentherapie. Denn für diese Zeit sind die Konferenzteilnehmer abgelenkt. Kleiner Tipp für diejenigen, die gerade keinem Unternehmen zugehörig sind: Videospiele haben einen ähnlichen Effekt.
Meine Katze schnurrt zustimmend und spielt mit meinen tippenden Fingern, damit ich nicht vergesse, wer in dieser Wohnung das Sagen hat. Können Katzen eigentlich das Virus übertragen? Spielen wir mit etwa Corona-Ping-pong? Piiiep schon wieder das C-Wort, sorry! Aber Katzen bahnen nunmal den direkten Weg zu meinem Unterbewusstsein. Das gerade mit geplatzten Lebensträumen beschäftigt ist, die mit dem Corona-Bad ausgeschüttet wurden. Neben gecancelten Operationen und Behandlungen scheint nun mein lebenserhaltendes Krebsmedikament, um dessen Verschreibung ich so hart gekämpft hatte, wegen der Coronakrise auf unbestimmte Zeit nicht lieferbar zu sein. Werde ich noch den Sommer erleben und meinen Wieder-Geburtstag, ein Jahr nach Diagnosenstellung, feiern zu dürfen? Mit dem Medikament würden ja noch einige solcher Feste, bei denen dem Schalentier der Stinkfinger gezeigt wird, auf mich warten.
Immer schön positiv bleiben? Stopp! Es reicht mit der Verdrängung! Ja, wir dürfen Angst vor dem Virus und seinen Konsequenzen haben. Ich finde, wir sollten es sogar. Damit wir uns und andere angemessen schützen. Zwar entlastet es die geplagten Nerven, die Krise ab und an zu verdrängen. Auf Dauer steigt jedoch der Druck der mühevoll verbannten Angst. Bis sie so groß wird, dass sie uns irgendwann paralysiert.
Der Perfektionismus, dass schnellstmöglichst alles wieder normal werden muss, hindert uns daran, gedanklich elastisch zu bleiben. Normalität ist täglich eine andere. Auch dann, wenn die Fallzahlen eines unbekannten Tages wieder sinken. Wie unser Leben dann aussehen wird? Darüber würde ich am Liebsten bei einem gemütlichen Plausch mit meiner besten Freundin philosophieren. Und das werde ich. Vielleicht bekomme ich das Medikament ja doch noch, bevor es zu spät ist. Mein Apotheker telefoniert sich in dem Moment die Ohren taub. Drückt mir gerne die Daumen! Wenn nicht, werde ich aus noch weniger Lebenszeit das Beste rausholen. Seit ich mir die Angst eingestehe und weniger Kraft auf die Verdrängung verschwende, finde ich nach einigen Tränen immer wieder zur Zuversicht zurück. Und habe auch wieder Raum für andere Gedanken. Denn Hoffnung, Liebe und Freundschaft lassen sich nicht absagen oder verschieben. Das haben die Schalentiere bis jetzt nicht geschafft, dann braucht so ein dreckiges Virus garnicht erst angeschissen zu kommen.
Corona & Krebs: Vorsicht statt Fatalismus
Eines ist sicher. Nichts bleibt wie zuvor. Mit Planungsunsicherheit kennen wir Onkoheldinnen und -helden uns bereits aus. Und wer bereits eine Chemo- oder Strahlentherapie hinter sich hat, ist beim Hygiene-ABC topfit. Doch die Corona-Pandemie ist auch für uns eine unvergleichbare Dimension. Patienten und Ärzte sind verunsichert. Ist jeder Krebspatent automatisch ein Risikopatient und sollte zuhause bleiben? Sollen Behandlungen lieber verschoben oder gar abgebrochen werden? Für wie lange?
Da wir diese Pandemie mit genau dieser Virusvariante zum ersten Mal erleben, gibt es auf diese Fragen noch keine wissenschaftlich fundierten Antworten. Die jüngst getroffenen Entscheidungen und Beschränkungen sind politischer Natur. Und vermutlich größtenteils richtig. Der Impuls, rasch auf die unbekannte Bedrohung zu reagieren, ist auch in der Onkologie groß. Wie es Notsituationen nunmal mit sich bringen, fehlt es hierbei manchmal an Augenmaß.
Dass verschiebbare Operationen abgesagt wurden, um Intensivbetten frei zu halten, ist logisch. Deshalb ist es in Ordnung für mich, auf unbestimmte Zeit mit einem offenen Bauch und den damit verbundenen Schmerzen leben zu müssen. Auch Nachsorgetermine, bei deren Verschiebung kein gesundheitlicher Nachteil entsteht, können warten. Eine laufende Krebsbehandlung kann das in den meisten Fällen jedoch nicht. Als die Onkoambulanz, in der ich meine Chemotherapie vor einigen Tagen abgeschlossen hatte, mir meine Weiterbehandlung versagen wollte, fühlte ich mich wie ein Kind, das mit dem Corona-Bad ausgeschüttet wurde.
Konkret geht es um eine sogenannte Erhaltungstherapie in Tablettenform, die Rückfälle nach der Chemotherapie verzögern können. Ein einfaches Rezept, ein bedrucktes Stück Papier, das weder ein Intensivbett beansprucht noch beatmet werden muss. Für die unterlassene Hilfeleistung hatte das international anerkannte Tumorzentrum keinen medizinischen Grund. Mein Fehler war es offenbar, die Ambulanz vor ein paar Wochen darüber zu informieren, dass ich nach der, inzwischen gecancelten, Operation zu meinem Lebenspartner ziehen und in Zukunft das Behandlungszentrum wechseln wollte.
Hätte ich etwa lügen sollen? Da Ausgangssperren drohten und drohen, war keine Zeit mehr für Schuldzuweisungen oder rechtliche Schritte. Beginne ich zu spät mit dieser sogenannten Erhaltungstherapie, verkürzt sich meine Lebenserwartung drastisch. Deshalb hatte ich den Umzug spontan vorgezogen. Mit meinem unoperierten 22 x10 cm großem Loch im Bauch war dieser coronabedingter Notumzug ein großer Kraftakt, den ich gerade wegen der grassierenden Seuche gerne vermieden hätte. Doch in meiner neuen Heimat gibt es ein onkologisches Zentrum, das bereit ist, mir zu helfen. Nun müssen die lebensrettenden Tabletten „nur“ noch verfügbar sein.
So viel Pech auf einmal kann nicht wahr sein, werdet Ihr sagen. Und ja, beim „Murphy-Highscore“ liege ich weit oben. Aber ich vermute, dass viele Onkoheldinnen und -helden sowie ihre Onkologen vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Bevor wegen Corona lebensnotwendige Therapien an den Nagel gehängt werden: Laut dem Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums steht „bei den meisten, akut an Krebs erkrankten Patienten der Nutzen einer wissenschaftlich fundierten Krebstherapie über dem Risiko einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus.“.
Bedeutet: Wir Onkoheldinnen und -helden kämpfen gegen ein noch viel größeres Monster, das trotz Corona kein Land gewinnen darf.
Unter Experten ist es übrigens umstritten, dass jeder Krebspatient zur Corona-Hochrisikogruppe gehört. Grundsätzlich hat das Robert-Kochinstitut Recht: Wir Onkoheldinnen und -helden sind gefährdet, bei einer Ansteckung einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung zu erleiden. Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) differenziert das Ausmaß dieser Gefahr. So sind Patienten mit Blutkrebs oder Lymphomen besonders gefährdet. Auch Patienten unter laufender Chemo-, Strahlen- oder sonstigen immunsuppressiven Therapien sind anfälliger als Personen, deren Behandlung seit Jahren abgeschlossen ist. Liegt die Behandlung länger zurück, kommt es, ähnlich wie bei Nicht-Krebspatienten, vor allem auf weitere Risikofaktoren an wie beispielsweise höheres Lebensalter oder vorhandene Atemwegserkrankungen.
Unter laufender Therapie hängt das Risiko von der tatsächlichen Abwehrsituation ab, etwa ob die Zahl der weißen Blutkörperchen oder der Immunglobuline stark reduziert ist. Bereits vor Corona-Zeiten wurde Chemopatienten mit geschwächtem Immunsystem geraten, Menschenansammlungen und öffentliche Verkehrsmittel zu meiden. Gründliches Händewaschen, Abstand halten und die Einschränkung von Sozialkontakten war und ist für diese fragile Personengruppe schon immer Pflicht gewesen.
Es geht nicht darum, das Corona-Risiko zu verharmlosen. Sondern auf eine wohlüberlebte Abwägung. Auch meine Erhaltungstherapie wird das Immunsystem beeinträchtigen. In meinem Fall schlägt der therapeutische Nutzen klar das Corona-Risiko. Und ich halte mich streng an die Infektions-Vorgaben. Tut Ihr das bitte auch. Aus Solidarität und Selbstschutz. Dafür überwinde ich sogar schrittweise meine Telefonphobie, weil ich meine Freunde nicht mehr sehen kann. Un der mich kennt weiß, dass das eine große Wesensveränderung ist :-). Welche wohl noch kommen werden?
Gebt Euch nicht auf. Und liebe Onkologen: Vergesst uns trotz Corona nicht!